Der Oktober gehört für viele Reiter zu den schönsten Monaten im Stall. Die Luft ist klar, die Bremsen sind verschwunden, und auf dem Ausritt raschelt das Laub unter den Hufen. Gleichzeitig verändert sich für das Pferd eine ganze Menge: Das Fell wechselt, die Weide gibt weniger her, die Böden werden weicher und die Tage kürzer. Wer diese Umstellung bewusst begleitet, erspart sich im Winter manchen Tierarztbesuch.
Herbstgras mit Vorsicht genießen
Das Gras sieht im Herbst oft noch saftig aus, doch es hat es in sich. Nach sonnigen Tagen und kalten Nächten lagern die Pflanzen vermehrt Zucker ein, vor allem in Form von Fruktan. Für empfindliche Pferde, besonders für leichtfuttrige Rassen und Tiere mit Stoffwechselproblemen, kann das ein Auslöser für Hufrehe sein.
Die Gefahr ist nicht auf das Frühjahr beschränkt, auch wenn dort meist darüber gesprochen wird. Gefährdete Pferde sollten nach frostigen Nächten nicht gleich morgens auf die Koppel, sondern lieber später am Tag und zeitlich begrenzt. Eine Fressbremse kann helfen, die Aufnahme zu reduzieren. Wer unsicher ist, spricht die Weidezeiten mit dem Tierarzt ab.
Für die Weide selbst ist der Herbst eine gute Gelegenheit, sie zu schonen. Kahle Stellen lassen sich nachsäen, zertretene Bereiche am Tor oder an der Tränke brauchen Ruhe. Eine Fläche, die im Herbst nicht bis auf den letzten Halm abgefressen wird, startet im Frühjahr deutlich besser.
Fellwechsel, Decke und Schur
Mit dem Winterfell schützt sich das Pferd auf natürliche Weise gegen Kälte. Ein gesundes Pferd im Offenstall braucht bei trockenem Wetter oft gar keine Decke. Anders sieht es aus, wenn das Pferd regelmäßig gearbeitet wird und dabei stark schwitzt. Das dichte Winterfell trocknet dann nur langsam, und das Pferd kühlt im nassen Fell aus.
Hier kommt die Schur ins Spiel. Eine Teilschur, etwa am Hals und unter dem Bauch, reicht bei vielen Freizeitpferden aus. Wer schert, muss dann aber auch eindecken, denn das Pferd hat an diesen Stellen seinen natürlichen Schutz verloren. Die Entscheidung hängt also davon ab, wie viel und wie intensiv im Winter geritten wird. Für ein Pferd, das nur gelegentlich bewegt wird, ist ein ungeschorenes Fell häufig die bessere Wahl.
Unabhängig von der Schur gilt: Nach dem Training das Pferd trockenführen oder mit einer Abschwitzdecke versorgen, bevor es zurück auf den Paddock geht.
Wer eindeckt, sollte die Decke regelmäßig abnehmen und darunter nachsehen. Scheuerstellen an Schulter und Widerrist entstehen schnell, und bei wechselhaftem Wetter kann ein Pferd unter einer zu dicken Decke auch schwitzen. Mehrere Decken in unterschiedlicher Stärke sind deshalb praktischer als ein einziges dickes Modell.
Hufe und Boden im Blick behalten
Mit dem Regen kommt der Matsch. Dauerhaft feuchter Boden weicht das Hufhorn auf und begünstigt Strahlfäule. Ein trockener Liegeplatz, befestigte Bereiche an Futterstelle und Tränke und regelmäßiges Auskratzen sind die einfachsten Gegenmittel. Riecht der Strahl unangenehm oder wirkt er schmierig, sollte der Hufschmied oder Hufpfleger beim nächsten Termin gezielt darauf schauen.
Auch die Beine brauchen Aufmerksamkeit. Wer nach dem Weidegang Schlamm an den Fesseln entdeckt, sollte die Haut kontrollieren. Mauke entsteht gern in dieser Jahreszeit und lässt sich am leichtesten behandeln, wenn man sie früh bemerkt.
Sicher unterwegs in der Dämmerung
Mit der Zeitumstellung Ende Oktober wird es am Nachmittag spürbar früher dunkel. Viele Berufstätige reiten dann nur noch in der Dämmerung aus. Reflektierende Gamaschen, eine Warnweste für den Reiter und eine Stirnlampe oder ein Licht am Steigbügel machen Pferd und Reiter für Autofahrer deutlich früher sichtbar. Bekannte Wege sind in der dunklen Jahreszeit die bessere Wahl als neue Strecken, auf denen man Bodenverhältnisse und Hindernisse nicht kennt.
Der Herbst verlangt etwas mehr Planung als der Sommer, belohnt dafür aber mit ruhigen Stunden im Sattel. Wer Weide, Fell und Hufe jetzt im Auge behält, bringt sein Pferd entspannt und gesund in den Winter.